Beruhigt sich der Berliner Immobilienmarkt?

Gute Nachricht für Investoren: Der Berliner Immobilienmarkt ist zwar weiterhin stark in Bewegung und zieht immer noch kräftig an. Doch steigen die Preise nicht in dem Maße, wie vielerorts prognostiziert wird. Dieses liegt unter anderem an dem nach wie vor großen Ausbaupotential des Marktes, das auch nach Jahrzehnten noch nicht ausgeschöpft sein dürfte. „Keine andere Stadt in Europa verfügt über so viele freie Flächen“, stellte Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) jüngst im „Tagesspiegel“ fest. Die vielen Möglichkeiten für Neubauten entspannen natürlich auch den Markt der Bestandsimmobilien und halten die Preise im europäischen Metropolen-Vergleich auf moderatem Niveau.

Ein weiterer Grund dürfte sein, dass zwar viele Investoren aus dem In- und Ausland nach wie vor fest entschlossen sind, an der Spree zu investieren. Doch hat sich die teilweise schon fast von Panik geprägte Nachfrage von Privatinvestoren spürbar nachgelassen, so dass besonders im Bereich der Ein- bis Vier-Raum-Wohnungen derzeit mehr Kapazitäten frei sind, als zuvor befürchtet. Die Euro-Krise hat die deutsche Wirtschaft zudem nicht mit voller Wucht getroffen, so dass viele Formen der privaten Altersvorsorge nicht mehr in einem so schlechten Licht dastehen wie noch vor Monaten. Das Bedürfnis nach „Betongold“, um den eigenen Lebensstandard auch im Alter hoch zu halten, ist somit nicht so stark ausgeprägt wie gedacht.

Trendbarometer zeigt weiter nach oben

Zwar ist die Nachfrage derzeit nicht so groß wie erwartet, doch geht der Trend trotzdem auch in Berlin weiter eindeutig in Richtung Privateigentum. „Immer mehr Menschen möchten Wohnungseigentum erwerben“, erklärte Senatorin Yzer in dem Zeitungsbericht, was sich nach Angaben des „Tagesspiegels“ beispielsweise durch eine repräsentative Umfrage der Münchener „Euro-Grundinvest“ belegen lässt: Jeder vierte deutsche Bürger mit Erfahrung im Bereich Geldanlage würde sich demnach innerhalb von sechs Monaten für den Kauf einer Immobilie entscheiden. Dieses ist immerhin fast ein Drittel mehr als noch ein Jahr zuvor.

Als häufigster Grund wurden die günstigen Kreditkosten genannt. Der häufigste Grund, warum ein Kauf aber dennoch nicht zustande kam, war das mangelhafte Angebot an passenden Immobilien. Ein Blick in die aktuellen Inserate lässt an der Stichhaltigkeit dieser Begründung allerdings zweifeln.

Wenn es um den Erwerb von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern geht, sind viele Verbraucher nach wie vor unsicher und haben einige Fragen, die vormals in dieser Form und Häufigkeit nicht auftraten. Der regelrechte Hype um den Berliner Wohnungsmarkt hat hier sicher einen Teil dazu beigetragen, denn die Rahmenbedingungen haben sich aus Sicht der Privatanleger dermaßen stark verändert, dass die vormalige Zuversicht in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Nutzen einer Immobilie den Zweifeln gewichen sind, ob sich der Markt in naher oder ferner Zukunft nicht doch wieder in die andere Richtung bewegt.

Kluft zwischen Stadt und Land wird größer

Gerade in deutschen Großstädten ist der Immobilienerwerb schon lange keine Herzensangelegenheit mehr, sondern fast ausschließlich ist eine reine Vernunftentscheidung. Die Kluft zwischen den Preisen in der Stadt und den Preisen auf dem Land ist derzeit zu groß, um fachunkundigen Interessenten weiterhin das Gefühl zu vermitteln, dass die Verhältnismäßigkeit stimmt. Um hier wieder die Balance zu finden und die Interessenten von ihren Befürchtungen zu befreien, braucht es sicherlich noch Zeit – und selbstverständlich dauerhaft gute und seriöse Arbeit der agierenden Immobilienunternehmen und Makler.