Der deutsche Immobilienmarkt wird bei ausländischen Investoren immer beliebter

Das Jahr 2016 war äußerst ereignisreich und wird nicht zuletzt aufgrund seiner politischen Überraschungen in Erinnerung bleiben. Neben der Präsidentschaftswahl in den USA war sicherlich auch der Brexit eine solche Überraschung. Wie sich das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU weiterentwickelt und wer vom Brexit profitieren wird und wer nicht, bleibt abzuwarten. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass die Immobilienbranche in Deutschland definitiv nicht zu den Verlierern des Brexit zählt.

Das britische Nein zu Europa hat das Interesse ausländischer Investoren an deutschen Immobilien nochmals gesteigert und damit eine Tendenz, die bereits 2015 erkennbar war, weiter vorangetrieben.

Mehr und größere Investitionen

Hierzulande wurden schon 2015 gut die Hälfte aller Immobilientransaktionen durch Investoren aus dem Ausland getätigt. 88% der ausländischen Investoren hatten es dabei vor allem auf Immobilien der Kategorien Core und Core plus abgesehen. Dementsprechend wurden große Objekte und Portfolios bevorzugt. Das hatte zur Folge, dass 42% all der Transaktionen durch ausländische Investoren ein Volumen von mindesten 250 Millionen Euro aufwiesen. Im Vergleich dazu besaßen nur 15% der Deals deutscher Investoren einen solchen Umfang.

Woher kommen die Investoren?

2015 kamen die meisten internationalen Geldgeber, die in deutsche Immobilien investierten, immer noch aus dem Westen. 24% aller ausländischen Investoren kamen aus den USA. Die komplette Top 5 liest sich wie folgt:

USA (24% aller ausländischen Investoren)
Großbritannien (18%)
Frankreich (15%)
Kanada (13%)
Schweiz (7%)

Dass chinesische, arabische oder russische Anleger hierbei nicht zu finden sind, täuscht ein wenig. Zumeist investieren diese indirekt über Firmen, die ihren Sitz nicht im entsprechenden Heimatland haben. So ist zum Beispiel britisches Geld oft auch arabisches Geld.

Deutschland als attraktiver Markt auch für den Mittelstand

Aber nicht nur Vermögende, auch der Mittelstand beispielsweise aus Asien oder dem arabischen Raum investiert zusehends in Deutschland. Dabei sind insbesondere Eigentumswohnungen zwischen 250.000 und 700.000 Euro sehr gefragt.

Mancher dieser Privatanleger hat in seinem eigenen Land mit unkalkulierbaren Risiken oder einem beschränkten Marktzugang zu kämpfen. Zum Beispiel dürfen Chinesen in Metropolen wie Peking oder Shanghai jeweils nur eine Wohnung besitzen. Wer mehr in Immobilien investieren möchte, den zieht es dementsprechend ins Ausland.

So rückt Deutschland in den Fokus, weil die Bundesrepublik ein sicheres wirtschaftliches Umfeld und steigende Immobilienpreise bietet. In Anbetracht des Brexit und des gesättigten Immobilienmarktes in London verliert Großbritannien diesbezüglich an Attraktivität.

Es besser machen als London

London ist mittlerweile von Preisrückgängen im Luxussegment und damit einhergehend mit dem Phänomen der „Ghost Houses“ betroffen. „Ghost Houses“ sind frisch renovierte Apartments oder neu gebaute Wohnhäuser, die in bester Lage und trotz hoher Wohnungsnachfrage leer stehen. Investoren parkten hier ihr Geld und warten nach wie vor auf einen rentablen Weiterverkauf.

Solange sich das Preisniveau nicht an der Nachfrage der Spekulanten, sondern an der Nachfrage und den Einkommensverhältnissen der Bewohner orientiert, dürften Geisterhäuser oder gar Immobilienblasen in Deutschland keine Gefahr darstellen.

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